5. August 2010, 11:43
Aufgrund mangelndem Interesse stellt Google sein letztes Jahr noch mit Standing Ovations auf der Google I/O gefeiertes Wave Projekt ein. 
Wave war Googles Neuinterpretation der klassischen E-Mail. Statts SPAM, endlosen Verteilerlisten und statischem Abrufen und Versenden sollte Wave eine Kommunikationsplattform darstellen, die E-Mail, Instant Messaging und Collaborative Software miteinander vereint.
Doch was bot Wave? Vorweg, alle Google-Kritiker, die Angst hatten, Wave im Unternehmen einzusetzen, da sensible Daten ja bei Google landen würden, wurden eines besseren belehrt. Da der Wave Server frei zur Verfügung gestellt wurde und dieser von jeder Person aufgesetzt werden konnte, bot man dem Benutzer eine Möglichkeit der Datensammlung des Suchmaschinen-Primus aus dem Weg zu gehen. Fehler Nummer Eins war hier allerdings, dass zwar der Server, jedoch kein Client existierte.
Fehler Nummer Zwei war der erschwerte Zugang zu Wave. Wollte man sich nicht den einstündigen Mitschnitt der Präsentation auf der Google I/O 2009 anschauen, hatte man eigentlich nicht den Hauch einer Chance, auf den ersten Blick den Mehrwert von Google Wave zu erkennen. Zwar erschloss sich auch den informationstechnisch weniger bewanderten Personen in meinem Freundeskreis nach wenigen Minuten die Bedienung und Funktion der Plattform, jedoch musste auch ein Wille hierfür da sein.
Fehler Nummer Drei sehe ich beim Marketing. Zwar wurde innerhalb der IT-affinen Kreise Werbung gemacht, der großen Masse jedoch blieb Wave weitestgehend unbekannt. Dabei war es, gerade in meinem Bekanntenkreis, eine super Möglichkeit, Partys, Ausflüge und gemeinsame Aktivitäten zu planen. Ob und in wie weit dies auch für professionelle Einsatzzwecke nutzbar war, kann ich leider nicht beurteilen. Vielleicht war das aber eines der KO Kriterien für die Nutzer. Die Verbindung zu Blog-Systemen ist überflüssig, der Kreis der erreichbaren Leute zu gering. Erst spät wurde die Möglichkeit angeboten, auch Personen ohne Google-Account mit in die Wave aufzunehmen, um diese daran teilhaben zu lassen.
Unwiderlegbar ist jedoch die Tatsache, dass Wave als Paradebeispiel für die Möglichkeiten von HTML 5 dienen kann. Technisch gesehen wurde mit Wave ein neuer Meilenstein in Sachen Webapps gesetzt, an diesem sich hoffentlich viele künftige Projekte messen. Man hatte bei der Benutzung niemals das Gefühl, im Prinzip eigentlich auf einer Website zu sein – alles war dynamisch, veränderbar, schnell.
Konsequent ist Google allerdings. Nachdem es schon zur Eröffnung hieß, das Wave entweder ein Hit oder ein katastrophaler Flop wird, zog Google jetzt die Notbremse und entsorgt Wave komplett. Allerdings wird die Plattform noch bis zum Jahresende laufen, außerdem versprechen Projekte wie PyGoWave ähnliche Funktionsweisen.
Vielleicht hätten ein paar Videos und Fallbeispiele Wave dazu verholfen, allgemeiner bekannt und akzeptiert zu werden. Gerade wenn man viele E-Mails an große Verteiler schickt und anschließend jemanden nachträglich in diesen Verteiler aufnimmt, merkt man, dass es nicht nur an Übersicht mangelt, sondern es auch viel Konzentration erfordert diesem Nachzügler alle Informationen zukommen zu lassen.
Update 11.08.10: Nutzer wollen Wave retten