PDF Editing unter Windows
Nachdem ich bereits seit einem Jahr Besitzer eines Grafiktablets bin und bislang mit Xournal unter Linux immer sehr glücklich war, fiel mir auf, dass ich dieses “in Vorlesungsskripte hinein schreiben” unter Windows bislang noch gar nicht versucht habe. Obwohl ich meine Arbeitsweise eigentlich sehr gut finde – kein Papierchaos, alles digital, trotzdem schnell und effizient.
Also begab ich mich auf die Suche nach einer geeigneten Software für Windows, die in etwa das kann, was Xournal mir bietet. PDFs öffnen, Kommentarfunktionen, als PDF speichern, vielleicht auch mal eine Freihandzeichnung. Ich hätte mir niemals träumen lassen, dass der Markt hierfür wirklich sehr klein ist.
Vorweg, Windows Journal fällt raus. Damit kann man zwar ganz nett rumkritzeln, PDFs kann Journal aber nicht lesen. Auch der normale Adobe Reader kann nur PDFs anzeigen, Funktionen darüber hinaus fehlen jedoch.
Die Erstellung von PDFs ist inzwischen Dank einer unzähligen Auswahl an freien PDF Printern kein Problem und war deshalb beim Testen der Programme auch kein Kriterium.
Programm Eins des Tests nennt sich PDF Annotator von Grahl Software Design. Neben einer 30 Tage Testversion kostet die Vollversion knapp 70€. Nicht wenig, eigentlich. Für Studenten gibt es allerdings eine Lizenz für nur 29,95€, was den PDF Annotator zur günstigsten Alternative im Vergleich macht. Die Funktionen vom PDF Annotator sind jedoch recht umfangreich, neben Formen und Symbolen kann man natürlich auch beliebig freihändisch im PDF kommentieren. Das Speichern als PDF funktioniert reibungslos, in Evince und im Adobe Reader werden alle Notizen auch problemlos dargestellt.
Jedoch fand ich das Programm zum Tiel recht träge, hin und wieder gab es, besonders bei großen PDF Dateien, Abstürze. Für den kleinen Geldbeutel jedoch vielleicht die beste Alternative.
Screenshot von der Herstellerseite
Programm Zwei, vielleicht der Primus, ist Acrobat Professional. Allerdings habe ich mit der Testversion von Version 8 gearbeitet, deshalb kann ich auf die Änderungen die in Version 9 Einzug erhalten haben kein Urteil bilden.
Mit rund 190€ für die Standard-Version und über 500€ für die Professional Variante einer der teuersten Programme, pflastert jedoch die Bildschirme der meisten Marketing-Abteilungen dieser Welt. Zeigt zügig und ohne Probleme auch größere PDF Dateien an, bietet viel professionelle Funktionen. Kommentieren kann man auch, ebenfalls Formen und Freihand.
Jedoch ist das wirklich eher zum schnellen Korrigieren diverser Korrespondenzen gedacht, denn ich habe vergeblich nach der Möglichkeit gesucht, die Schriftfarbe umzustellen. Zum Einsatz in der Hochschule also eher ungeeignet, und zu teuer.
Screenshot Adobe Acrobat Professional 8
Programm Drei ist in der Grundversion kostenlos, heißt Foxit Reader und kann durch kostenpflichtige Add-Ons erweitert werden. In der neusten Version 4 kann er auch in der Grundversion PDFs kommentieren, die abermals von Evince und Adobe Reader angezeigt werden. Freihand kann der Foxit Reader jedoch noch nicht, so bleibt nur die Möglichkeit Text via Tastatur als Kommentar einzugeben. Schnell ist das Programm jedoch, subjektiv das schnellste PDF Programm im Vergleich. Leider gibts das Programm noch nicht auf Deutsch, was mich zwar nicht abschreckt, aber vielleicht den ein oder anderen Benutzer. Allerdings fällt es für meine Bedürfnisse aufgrund der fehlenden Freihand-Notizfunktion aus dem Rennen. Für alles andere würde ich ihm jedoch besonders dem Adobe Reader vorziehen.
Screenshot Foxit Reader 4.1
Das letzte Programm im Test kommt aus den USA, ist hierzulande recht unbekannt, nur in Englisch verfügbar und kostet 149$. Die Rede ist von Bluebeam PDF Revu Standard Edition, das zur Zeit in Version 8.5 vorliegt. Auch eine Testversion ist verfügbar, jedoch sollte man vor dem Download darauf achten, für welche Rechnerarchitektur herunterlädt.
Gleich beim ersten Start fragt mich Bluebeam nach der gewünschten Oberfläche: Ob simpel, für Tablets optimiert, fürs Lesen etc.
Die Funktionen sind jedoch erschlagend. Für den geneigten PDF Editor bietet Bluebeam alles, was das Herz begehrt. Ob Formen, Freihand, kariertes Papier, liniertes Papier, einfügen von Seiten, Koordinatensysteme – Bluebeam erschien mir wie das Photoshop für PDF Dateien. Auch das nachträgliche Platz schaffen zwischen Kommentaren ist kein Problem, die Verarbeitung von PDFs schnell und ohne Abstürze. Wer also wirklich Geld investieren möchte, sollte zu Bluebeam greifen.
Screenshot Bluebeam PDF Revu
Zwar bin ich von den Möglichkeiten von Bluebeam wirklich begeistert, jedoch halte ich den Preis für alle Programme ziemlich übertrieben. Werde wohl weiterhin mit Xournal unter Linux arbeiten, das kann alles was ich benötige und kostet nichts.



