Archive for Oktober 2009

Windows 7 und die ATI Treiber

Nun habe ich ja auf einer zweiten Partition Windows 7 Professional x64 im Betrieb, um die ein- oder andere Unzulänglichkeit meines Ubuntus auszugleichen. Dass ich jedoch mit dem neuen Windows mehr Probleme hatte, die ATI Treiber zu installieren, als unter Ubuntu, hätte ich nie gedacht.

Ausgangssituation: Windows 7 Professional x64 auf einem Notebook mit der ATI Mobility Radeon HD4330. Unter Vista nie Probleme gehabt, doch Windows 7 wollte mir unter keinen Umständen die Installation eines ATI Treibers gestatten. Zwar wurde durch die neue Treiber-Erkennungsfunktion von Win7 ein Treiber installiert, dieser ist jedoch ein wenig älter und das Catalyst Control Center war auch nicht dabei. Zu allem Überfluss wurden alle Auflösungen – unterhalb der nativen Auflösung – in der nativen Auflösung verbunden mit schwarzen Rändern dargestellt, eine Art “Fenstermodus”.

Problem: Die auf der ATI / AMD Seite angebotenen Treiberpakete mit oder ohne CCC installierten alle nur den ATI Install Manager sowie die WDM Treiber, der Display Driver oder das CCC standen jedoch nicht zur Auswahl. Fehlermeldungen traten allerdings auch keine auf, ein Problem mit dem .NET Framework war es auch nicht.
Nachdem Google mir nicht weiterhelfen konnte, schmiss ich im Geräte Manager den von Win7 installierten Treiber raus – ohne Erfolg, die Pakete von der ATI Seite verweigerten weiterhin, die Installation des DD oder CCC anzubieten. Also wurde der Win7 Treiber beim nächsten Boot wieder installiert.

Lösung: Nach ein wenig Spielerei bin ich auf den ATI Driver Modder von DriverHeaven gestoßen. Einfach den gewünschten Treiber von der ATI / AMD Seite mit CCC herunterladen und die Installationsdatei ausführen. Nachdem die Treiber nach C:\ATI\* entpackt wurden, das Setup abbrechen. An dieser Stelle eventuell bereits die Benutzerkontensteuerung in der Systemsteuerung deaktivieren und den PC neu starten. Dann den Driver Modder starten und den Pfad zum eben entpackten Treiber auswählen. Nach einem Klick auf “Modify” startet der Prozess, der nach wenigen Sekunden bereits abgeschlossen ist. Nun einfach in C:\ATI\* die Setup.exe ausführen und erquickend feststellen, dass nun sowohl Treiber als auch CCC zur Installation zur Verfügung stehen! Probleme machen diese, soweit ich das bis jetzt beurteilen kann, keine. Es handelt sich um den aktuellsten DD und das aktuellste CCC, die schwarzen Balken gehören der Vergangenheit an und es kann wieder über das CCC konfiguriert werden.

Vorsicht jedoch, wer sich Windows Updates automatisch installieren lässt: Windows wird eiskalt wieder den ursprünglichen Treiber einstellen, von daher ist es empfehlenswert, diesen bei den Updates auszublenden.

Wacom Bamboo One unter Ubuntu

Gestern tätigte ich eine längst überfällige Anschaffung: Ein Wacom Bamboo One.

Hierbei handelt es sich um ein Tablet mit Stift zum Anschluss an jeden PC mit USB Anschluss. Zwar keine Neuheit der Technikwelt, dennoch wird es eher selten außerhalb der Grafik- / Medienbranche benutzt, woran dieser Post hoffentlich etwas ändert.

Zum Lieferumfang des Tablets gehörten ein Stift im Stil eines Bleistiftes mit Radiergummi. Dem “Radiergummi” entspricht beim Bamboo One eine zweite schreibfähige Seite, die man, je nach Applikation, anders belegen kann (zum Beispiel mit einem Radiergummi :-) ). Zusätzlich ist am Stift eine weitere Taste, die in der normalen Einstellung als rechte und mittlere Maustaste fungiert.
Das USB Verbindungskabel war ebenso enthalten wie eine Halterung für den Stift und die Bedienungsanleitung. Die obligatorische Treiber- und Software-CD war ebenfalls enthalten (leider nur für das Microsoft OS).

Nach Anschluss an mein Notebook, auf welchem Ubuntu 9.04 “Jaunty Jackalope” im Einsatz ist, leuchteten die vier Schnellzugriffstasten am Tablet sofort auf. Das Tablet war, zu meiner Überraschung, sofort einsatzbereit und funktioniert im Prinzip wie ein Laserpointer auf einer Leinwand. Die Treiber für die Wacom Geräte sind inzwischen von Haus aus in den Ubuntu Versionen ab 8.04 enthalten, nur das “Feintuning” muss noch von Hand ausgeführt werden. Gewöhnungsbedürftig, aber nach dem ersten Test auf jeden Fall besser als die zweite Variante ist die Einstellung der Koordinatenabfrage des Tablets. Wird standardmäßig der Desktop auf das Tablet abgebildet, d.h. die linke obere Ecke des Tablets entspricht der linken oberen Ecke des Desktops, könnte man dieses Handling auch auf eine relative Abfrage umstellen, so dass eine Bewegung auf dem Tablet dem einer Maus entspricht.
So muss man, sofern man die vier Hotkeys am Tablet benutzen möchte, diese in der xorg.conf festlegen. Das Scrollfeld funktioniert allerdings ohne weitere Konfiguration.
Ebenso funktionierten direkt alle Tasten am Stift, und ich konnte dem oberen Ende des Stifts in GIMP auch die Funktion des Radiergummis zuweisen.
Inkscape konnte erfreulicherweise problemlos bedient werden.

Nun bin ich weder Designer noch Hobbyzeichner und beschaffte mir das Tablet aus einem viel trivialeren Grund. Meine Abneigung gegen Papierchaos drängte mich auf die Alternative, PDFs, oder genauer, Vorlesungsskripte im PDF Format, digital bearbeiten zu können um dem Papierchaos zu entfliehen. Unter Windows benötigt man für sowas teure Software von Adobe oder Bluebeam, nach ein wenig Recherche fand ich jedoch ein Programm dass unter Ubuntu ebenso gute Dienste leistet: Xournal.

Xournal beherrscht alle nötigen Funktionen zum Kommentieren und Bearbeiten von PDF Dateien. Man kann PDFs importieren, welche dann als Hintergrund geladen werden, und nach Lust und Laune auf diesen malen, markieren, streichen oder ergänzen. Erfreulich ist das Feature, weitere Seiten in eine PDF einzufügen, um weitere Informationen unterzubringen, wofür verschiedene Layouts – leer, kariert, liniert – zur Verfügung stehen. Auch eine funktion zum automatischen Zeichnen von Linien oder geometrischen Objekten ist vorhanden.
Leider klappte das mit dem Screencast nicht wie erwartet, deshalb leider nur zwei Screenshots aus Xournal. Ein Video wird eventuell aber noch nachgereicht.

Screenshot 1: Die originale PDF Datei, auf der markiert und kommentiert wurde. Außerdem sieht man den Beginn der eingefügten Seite.

Screenshot 2: Notizen auf der eingefügten Seite.

Alles in allem bin ich bereits am zweiten Tag schon voll zufrieden mit dem Bamboo One. Das hier besprochene Modell kostet um die 80 EUR, obwohl eine günstigere, aber auch kleinere, Version für ca. 50 EUR und ein großes, professionelles Modell für ca. 200 EUR erhältlich sind. Die Unterstützung in Ubuntu ist hervorragend und mit zunehmender Benutzung gewöhnt man sich auch an die etwas fremde Haptik. Vollste Kaufempfehlung!

// Update 23.01.10: Im Dezember erschien ein schöner Artikel auf pro-linux