Heute in der FAZ
Google! 2x als Thema, 1x als Indikator und 1x als Messlatte des Horizonts. Nicht, dass man die FAZ jetzt als Werbebroschüre für das Unternehmen hinter der Suchmaschine sieht, denn besonders das Interview zum Thema Google Books mit Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger war sehr gut. Man muss bei allem momentan omnipräsenten FDP-Bashing aber auch anerkennen, dass die gute Frau tatsächlich weiß, was sie tut (was bereits woanders angepriesen wurde). Zwar wird wie bisher beim Streit auf die Urheberrechte verwiesen, Frau L-S agiert jedoch auch verbal sehr sachlich und mit Bedacht auf die Idee, die hinter dem Projekt steckt. Der Satz zum Schluss formuliert prägnant die Problematik um Google, wonach besonders die Aufregung um Google Buzz wieder klar machte, dass der Nutzer nicht weiß was mit seinen von Google gesammelten Informationen passiert.
Gleich unter dem Interview findet sich der nächste Artikel, Streitpunkt hier ist Street View. Abermals wird angemerkt, dass Street View aus datenschutzrechtlichen Gründen unzumutbar sei, leider melden sich im Artikel nur “Internetausdrucker” zu Wort. Genialer Vorschlag: Johannes Singhammer (CSU) rät Kommunen an, Google zur Kasse zu bitten, eine Resonanz dafür erhielte er bereits: “Als Maßstab für die Gebühr schlägt Singhammer die Einwohnerzahl einer Stadt vor. So könne beispielsweise jährlich 1 Euro je Einwohner verlangt werden.” Prima Idee. Das Erinnert mich ein wenig an ein anderes Thema, das hier im Landkreis kürzlich Aufsehen erregte. Firma A kommt auf die Idee, Bürgern kostenlos Tonnen vor die Tür zu stellen, wo diese ihren Papierabfall entsorgen können. Diesen holt Firma A dann regelmäßig, unentgeltlich, direkt vor der Haustüre, ab und entsorgt diesen. Da Papier = Geld ist, passt das der Stadt dann irgendwann gar nicht mehr so, und die Firma wird verklagt, was darauf hinausläuft, dass die Stadt ab sofort den Reibach mit dem Papierabfall macht, natürlich mit weniger Service.
Was ich damit sagen will ist, dass eine von Google zu zahlende Pauschale natürlich gleich wieder einen Haufen an Trittbrettfahrern hervorzaubern dürfte, die den großen Gewinn riechen. Wichtiger wäre es eher, dass Google Leute schriftlich darauf hinweist, was mit den Bildern passiert und wie man dagegen vorgehen kann, so dass dies auch die Internetausdrucker verstehen.
Der dritte Artikel, in dem Google eine Rolle spielt, handelt eigentlich von kino.to. Frei von überzogenen Verlustzahlen der Content-Industrie wird hier einfach nur darauf hingewiesen, dass die Google Suche nach “kino.to legal” 492.000 Ergebnisse liefert – im Vergleich zu den 30,6 Millionen Treffern, wenn man das “legal” weglässt. Wieso man hier Suchmaschinentreffer als Indikator nimmt, bleibt mir rätselhaft.
Der letzte Artikel enthält Google dann nur noch in der Überschrift – Helmut Schmidt und Fritz Stern, kürzlich zu Gast bei Beckmann, blicken demnach weiter als Google Earth (!).
Man kann ja, besonders im Bezug zu den ersten beiden Artikeln, Google sehen wie man möchte (wer sich gern mit Trollen ärgert kann diese Ansichten übrigens gerne im Heise Forum publizieren) – trotz Urheberrechtsbruch, Datenkrake, Größenwahn – wohl niemand mag behaupten, seine Informationen irgendwo sicherer zu hinterlegen als bei Google. Transparenz hin oder her.

